Sonntag, den 14. Februar 2010 um 08:57 Uhr
Immer wieder bin ich erstaunt, wieviele Hobby-Fotografen im Format JPEG fotografieren. Ich spreche hier jetzt nicht von irgendwelchen Leuten mit Digitaler Spiegelreflex und ohne jeden Anspruch an die Qualität der Bilder. Ich spreche von den Fotografen, die eine gewisse Ernsthaftigkeit an den Tag legen. Auf meine Nachfragen haben die meisten mehr oder weniger Angst vor dem RAW-Format. Ich möchte heute versuchen, all denen das RAW-Format etwas schmackhafter zu machen.
Zunächst einmal herrscht in meinen Augen schon ein großes Missverständnis in Einschätzung von RAW als Profi-Dateiformat. Wer Kamera und Licht absolut im Griff hat, kann getrost in JPEG fotografieren. Wer aber Fehler macht (so wie ich) und die später in Photoshop ausbügeln will, der sollte in RAW fotografieren.
Was ist RAW überhaupt?
Ganz einfach: Das Bild, wie es auf dem Sensor ist. Ohne jegliche Nachbearbeitung durch die Kamera (bis auf eine minimale Kompression). Und bei diesem Punkt schrecken schon die ersten zurück, da es sich nach viel Arbeit anhört. Man kann nun nämlich nicht wie bei dem JPEG (welches durch die Parameter in der Kamera ja schon konvertiert wurde) das Bild sofort verwenden, sondern muss den Prozess, der sonst automatisch in der Kamera vollzogen wird, per Hand durchführen. Was passiert in der Kamera überhaupt genau? Die Kamera legt bei der Konvertierung bereits Weißabgleich, Sättigung, Dynamik usw. fest und schärft das Bild nach. Das kann man alles frei wählen bei der manuellen Konvertierung. Auch schärfen muss man dann alleine. Ein Grund dafür, dass sich nicht wenige wundern, warum denn die Fotos in RAW nicht so scharf sind wie in JPEG.
Das RAW-Format enthält auch viel mehr Bildinformationen als ein JPEG, wodurch die Dateigröße zustande kommt. Nicht selten habe ich dumme Bemerkungen zu der Größe meiner Speicherkarten gehört. Wozu brauche ich denn, bitteschön, 8-GB-Karten? Da kann der Herr ja schon 15.000 Fotos mit seiner 200-€-Kamera machen. Im JPEG-Format bekomme ich natürlich auch mehrere tausend Fotos auf meine Speicherkarten. Aber im RAW sind es bei der 50D wie auch bei der 5D Mk II bei ISO 100 etwa 300 RAW's. Also ca. 15 - 25 MB pro Foto.
RAW in der Praxis
Genug Theorie. Jetzt möchte ich nur zwei sehr wichtige Vorteile zeigen. Natürlich gibt es noch mehr (so kann man z. B. ohne Probleme den Weißabgleich im Nachhinein korrigieren usw.).
Ein sehr wichtiger Punkt ist die Über- und Unterbelichtung. Zunächst einmal ein Crop aus einem überbelichteten Foto (2 Blenden), aufgenommen als RAW:

Wollen wir unseren Fehler jetzt ausbügeln und haben nur das JPEG zur Hand, sieht die Korrektur um 2 Blenden nach unten so aus:

Die Farben sind verfälscht (das würde auch passieren, wenn man im JPEG den Weißabgleich ändern wollen würde). Die Korrektur in RAW resultiert in diesem Ergebnis:

Das Foto ist nun korrekt belichtet und die Farben sind noch so, wie sie sein sollen.
Noch ein zweiter Punkt: Ich habe bereits erwähnt, dass das RAW mehr Bildinformationen enthält. Bei dem Beispiel mit der Überbelichtung wurde es bereits gezeigt. Nun noch ein Beispiel mit einem Crop desselben Fotos, allerdings dieses Mal an einer unterbelichteten Stelle. Ich habe einmal im JPEG das Fülllicht auf 100 gestellt...

... und einmal im RAW. Man achte besonders auf die linke untere Ecke:

Das Rauschen sei dieses Mal bitte zu vernachlässigen.
Ich hoffe, ich konnte wenigstens ein bisschen Licht in das Mysterium RAW bringen.
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