Sonntag, den 28. Februar 2010 um 11:50 Uhr
Heute morgen war ich mal wieder früh wach. Und die Sonne scheint heute auch. Also hab ich mich heute morgen gleich aufgemacht, um Fotos für einen schon länger geplanten Beitrag zu schreiben. Dieses Mal möchte ich zeigen, wie man mit Blitzen an hellen Tagen arbeiten kann. Generell geht es hierbei eigentlich um das Grundverständnis beim kreativen und entfesselten Blitzen.

Ich habe hierfür extra eine extreme Lichtsituation gewählt. Direkt gegen die Sonne hat man einen Dynamikumfang zu bewältigen, den die Kamera nicht abdecken kann. Bei diesem Motiv hätte sich auch eine Belichtungsreihe für ein späteres HDR angeboten. Allerdings sind Belichtungsreihen bei bewegten Motiven sehr schwer. Nun möchte ich erst mal die Ausgangssituation aufzeigen. Hier das Foto mit Belichtungsschwerpunkt auf den Vordergrund (f/8):
Der Vordergrund ist ok, aber der Himmel ist nun absolut überbelichtet. Wenn wir nun den Schwerpunkt auf den Himmel legen, ist der Vordergrund absolut abgesoffen (f/22):
Kommen wir zu den Belichtungseinstellungen. Bei allen Bilder wurde mit der 5D Mk II und den EF 50 mm f/1,4 USM gearbeitet. Belichtungszeit und ISO sind bei allen Bildern gleich. Die Belichtung wurde lediglich über die Blitze und die Blende gesteuert. Die ISO betrug 50 und die Belichtungszeit lag bei dem Maximum von 1/200. Würde man nun nicht mit Studioblitzen arbeiten, sondern mit Kompaktblitzen über E-TTL, könnte man HSS aktivieren und das Umgebungslicht dadurch ausschalten. HSS bedeutet High Speed Synchronisation und sorgt dafür, dass man trotz Blitz die maximale Verschlusszeit von bis zu 1/8000 nutzen kann. Dabei feuert der Blitz ein Stroboskoplicht ab und kann somit nicht mehr die volle Leistung erzielen. Dieses Mal will ich aber sehen, wie weit ich mit meinen frischen 600 Watt Blitzleistung aus dem Walimex VC-600 komme (f/22).
Wie man sieht, hat man mit 600 Watt direkt gegen die Sonne absolut keine Chance. Ich denke, dass evtl. 1200 Ws gerade so ausreichen können. Interessant ist, dass ich von rechts mit dem Studioblitz aufgehellt und von links noch zusätzlich mit zwei Metz Mecablitz 48 AF-1 Kompaktblitzen (siehe Spiegelung) auf voller Leistung gearbeitet habe. Deren Einfluss ist allerdings schon vernachlässigbar bei f/22. Zumindest ist jetzt Zeichnung im Vordergrund vorhanden. Und da ich mit ISO 50 gearbeitet habe, habe ich genug Spielraum zum Aufhellen des Vordergrundes. Hier ein Screenshot aus dem RAW-Konverter und das Resultat in Photoshop.


Das Ganze sieht nun eher nach 'nem Sonnenuntergang als nach 'nem Sonnaufgang Sonntagmorgen um halb zehn aus, oder? Noch etwas zur Definition von Vorder- und Hintergrund. Ich teile mir das Bild immer in zwei Bereiche auf: das Hauptmotiv, welches ich mit dem Blitz ausleuchten will und denHintergrund, auf den ich leider keinen Einfluss nehmen kann. Ich achte immer darauf, dass ich den Hintergrund korrekt belichte und die Blitzleistung daran anpasse. Wenn der Hintergrund also sehr hell ist, blende ich ab und blitze stärker. Umso heller es also ist, umso mehr Blitzleistung wird benötigt. Klingt anfänglich etwas verwirrend bzw. unlogisch ... so ist es aber. Wenn ich nun nachts fotografiere (darauf werde ich im nächsten Beitrag nochmal genau eingehen), schraube ich die ISO hoch, mache die Blende auf und verlängere die Verschlusszeit, um das Bild auf keinen Fall tot zu blitzen und möglichst viel Umgebungslicht einzufangen. Dann muss der Blitz natürlich sehr schwach eingestellt werden.
Jetzt noch ein Beispiel, dass etwas praxisnäher ist (f/13):
Jetzt habe ich nur die Perspektive und die Distanz zwischen Blitzen und Motiv verändert. Außerdem steht nun der Studioblitz links, ein Kompaktblitz feuert aus Richtung der Kamera und einer von rechts. Nun muss nicht mehr direkt gegen die Sonne gearbeitet werden, allerdings ist der Hintergrund immer noch sehr hell. Wie man sieht, ist das Auto unterbelichtet. Belichtet man nun wieder korrekt auf das Auto, haben wir wieder das gleiche Problem wie eben (f/2,8):
Und nun wieder mit den 3 Blitzen auf voller Leistung:
Mit diesem Resultat kann man schon halbwegs leben, finde ich. Die Belichtung stimmt bei Vorder- und Hintergrund noch nicht ganz. Allerdings sind die Über- und Unterbelichtungen so schwach, dass sie einfach im RAW-Konverter ausgeglichen werden können:


Der Nachteil beim Abblenden ist allerdings, dass die Bilder eine hohe Schärfentiefe aufweisen. Wenn man über genügend Blitzleistung verfügt, kann man die Blende weiter öffnen, indem man einen Neutral-Grau-Filter benutzt. Er dunkelt das ganze Bild hab. Hier habe ich mal einen ND- 4-Filter benutzt. Beim ersten Bilder musste ich noch mit f/13 arbeiten, beim zweiten mit f/6,3. Jetzt aber nur Ausschnitte, damit man den Effekt besser sieht:


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